Ready, Set, Prompt: Die 5 goldenen Regeln des Legal-AI-Promptings
92 Prozent aller Rechtsanwält:innen nutzen mittlerweile mindestens ein KI-Tool in ihrer Arbeit. Die Frage hat sich damit verschoben: Es geht nicht mehr darum, ob Sie mit KI arbeiten, sondern wie gut Sie mit ihr sprechen. Zwei identische Systeme liefern bei gleicher Aufgabe völlig unterschiedliche Ergebnisse – je nachdem, wie präzise der Prompt formuliert ist. Derselbe Motor, aber ein anderes Fahrverhalten, je nachdem, wer tatsächlich am Steuer sitzt.
In diesem Blog Post fassen wir hier die wichtigsten Erkenntnisse zusammen: was ein guter Prompt ausmacht, die fünf goldenen Regeln des Legal-AI-Promptings, drei konkrete Anwendungsfälle mit Prompt-Beispielen zum Nachmachen, und drei Voraussetzungen, damit das Ganze in der Praxis auch wirklich trägt.
In diesem Beitrag fassen wir zusammen, was unser Webinar "Ready, Set, Prompt! Erste Schritte mit Legal AI" vermittelt hat: die vier Bausteine eines guten Prompts, die fünf goldenen Regeln des Legal-AI-Promptings, die häufigsten Irrtümer dabei, drei Anwendungsfälle mit konkreten Beispielen – und wo die rechtlichen und ethischen Grenzen liegen.

Warum 2026 der richtige Zeitpunkt ist, Prompting ernst zu nehmen
Laut der Future-Ready-Lawyer-Studie 2026 von Wolters Kluwer sagen 90 % der deutschen Rechtsanwält:innen, dass KI ihre tägliche Arbeit und ihre Personalstrategie bereits verändert hat. Boston Consulting Group beziffert die gemessene Produktivitätssteigerung nach Einführung von KI auf 33 %.
Damit hat sich eine neue Kernkompetenz herausgebildet: nicht mehr nur die Wahl des richtigen Tools oder Modells, sondern die Fähigkeit, es präzise zu briefen. Reibung entsteht heute seltener durch die KI selbst als durch unklare Anweisungen an sie – und genau hier setzt Prompting an.
Was ist überhaupt eine Rechts-KI?
Eine Rechts-KI ist ein informatisches System für den Rechtsbereich, trainiert auf gewaltigen Mengen juristischer Texte – Gesetze und Rechtsprechung –, gesteuert über Textbefehle (Prompts) und antwortend in natürlicher Sprache.
Der entscheidende Unterschied zu einem generischen Modell wie ChatGPT: Eine spezialisierte Rechts-KI ist ausschließlich auf deutschen und europäischen Rechtsdaten trainiert. Sie ersetzt den Anwalt nicht – sie stärkt ihn. Die KI schlägt vor, recherchiert, fasst zusammen und entwirft. Entscheidung, fachliche Prüfung und Unterschrift bleiben bei Ihnen.
Wie sich juristisches Prompting von generischem Prompting unterscheidet
Wer ChatGPT oder ein anderes allgemeines Modell für private Zwecke nutzt, kann sich Ungenauigkeiten leisten. Im Rechtsbereich nicht: Ein falsches Aktenzeichen, eine erfundene Fundstelle oder eine veraltete Norm hat Konsequenzen, die weit über ein peinliches Ergebnis hinausgehen. Juristisches Prompting unterscheidet sich vom allgemeinen Prompting in drei Punkten:
- Höhere Genauigkeitsanforderung: Jede Aussage muss nachprüfbar sein – mit Fundstelle, Aktenzeichen oder wörtlichem Zitat.
- Vertraulichkeit: Mandatsdaten dürfen nicht in Systemen landen, die sie zum Training verwenden oder Dritten zugänglich machen.
- Fachlicher Kontext: Ein Modell, das nicht auf Rechtsdaten trainiert ist, kennt weder die Systematik des BGB noch aktuelle BGH-Rechtsprechung – es erzeugt plausibel klingende, aber nicht zwangsläufig korrekte Antworten.
Die fünf goldenen Regeln, die im nächsten Abschnitt folgen, gelten für jedes Modell. Aber erst die Wahl der richtigen KI entscheidet, ob ein gut formulierter Prompt auch ein belastbares Ergebnis liefert.

Warum die Qualität Ihrer Prompts über die Qualität der Ergebnisse entscheidet
Ein Prompt ist eine Textanweisung, die Sie der KI geben, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Die Qualität der Antwort hängt ganz von der Qualität der Anweisung ab. Ein guter Prompt umfasst mindestens vier Bausteine:
- Rolle – In welcher fachlichen Perspektive soll die KI antworten? (In der Prompting-Fachsprache auch als Role Prompting bezeichnet.)
- Kontext – Welche Fakten, Daten und Rechtsnormen sind relevant?
- Aufgabe – Was genau soll die KI konkret tun?
- Format – In welcher Form soll das Ergebnis geliefert werden?
❌ Generischer Prompt: "Erzähl mir etwas über § 823 BGB."
✅ Spezifischer Prompt: "Du bist Fachanwalt für Zivilrecht. Erkläre § 823 BGB in 5 Punkten unter Berücksichtigung der aktuellen Rechtsprechung des BGH."
Nur der zweite Prompt gibt der KI eine Rolle, einen fachlichen Rahmen, eine klare Aufgabe und ein Format vor. Wer einen Schritt weitergehen will, kann zusätzlich mit Few-Shot-Prompting arbeiten: Statt nur zu beschreiben, was die KI tun soll, geben Sie ihr ein Beispiel für die gewünschte Antwortstruktur mit – etwa einen bereits vorhandenen Absatz im Zielformat. Das Modell orientiert sich daran und erzeugt tatsächlich vergleichbare Ergebnisse, statt bei jeder Anfrage neu zu improvisieren.
Man kann sich das Prinzip wie einen Lösungsraum vorstellen: Ein generischer Prompt lässt der KI unendlich viele mögliche Antworten offen. Ein spezifischer Prompt engt diesen Raum gezielt ein und führt direkter zu einem Ergebnis, das Sie tatsächlich weiterverwenden können.

Die 5 goldenen Regeln des Legal-AI-Promptings
Aus diesem Prinzip lassen sich fünf goldene Regeln ableiten, die in jedem Prompt stecken sollten – unabhängig davon, ob Sie recherchieren, analysieren oder einen Schriftsatz entwerfen.
1. Weisen Sie eine Rolle zu. Beginnen Sie mit "Du bist Fachanwalt für …". Das verändert spürbar Ton, Tiefe und Terminologie der Antwort.
2. Seien Sie spezifisch. Fügen Sie Fakten, Daten, Rechtsnormen und den Kontext Ihres Falls hinzu. Je präziser der Input, desto präziser der Output.
3. Legen Sie das Format fest. Nummerierte Liste, Tabelle, Fließtext, Übersicht: Definieren Sie das Ergebnisformat, statt es dem Zufall zu überlassen.
4. Iterieren Sie. Verfeinern Sie den Prompt nach jeder Antwort – so, wie Sie auch einem Referendar nach dem ersten Entwurf präzisere Anweisungen geben würden.
5. Prüfen Sie immer nach. Die KI unterstützt – Sie bleiben die Experten. Jedes Ergebnis ist Ausgangspunkt, nicht Endprodukt.
Häufige Fehler und Mythen beim Legal-AI-Prompting
Mythos 1: "Kürzer ist besser." Das Gegenteil ist der Fall. Ein knapper Prompt lässt der KI mehr Interpretationsspielraum – und damit mehr Raum für Fehler. Kontext erhöht die Genauigkeit, nicht die Unübersichtlichkeit.
Mythos 2: "Ein gutes Modell macht immer richtige Angaben." Auch eine spezialisierte, hochwertige Rechts-KI kann falsch liegen. Genau deshalb ist Regel 5 keine Formsache, sondern die wichtigste der fünf Regeln.
Mythos 3: "Ein perfekter Prompt reicht für alle Aufgaben." Prompts sind keine Vorlagen für alles. Eine Anweisung für die Recherche funktioniert selten unverändert für einen Vertragsentwurf – jede Aufgabe verlangt eigene Rolle, eigenen Kontext, eigenes Format.
Häufigster Fehler in der Praxis: Mandatsdaten werden in ein generisches Tool wie ChatGPT eingegeben, ohne zu prüfen, ob und wie diese Daten dort gespeichert oder weiterverwendet werden. Das ist kein Prompting-Fehler im engeren Sinn, aber der folgenreichste – dazu mehr im Abschnitt zu den rechtlichen Grenzen.
Prompting in der Praxis: drei Anwendungsfälle
Diese Regeln sind erst dann wirklich nützlich, wenn man sie auf den Kanzleialltag anwendet. Im Webinar haben wir sie an den drei Phasen durchgespielt, die die tägliche juristische Arbeit prägen: Recherche, Analyse und Drafting.
Recherchieren mit KI
Ziel: Relevante Rechtsprechung in Sekunden finden, statt Suchbegriffe in Datenbanken zu variieren.
Beispiel: "Du bist Fachanwalt für Medizinrecht. Suche nach BGH-Urteilen der letzten 3 Jahre zum Thema Kausalzusammenhang. Fasse die gefestigte Rechtsprechung in 5 Punkten zusammen."
Tipps: Gericht, Jahr und Rechtsgebiet angeben · nach Zusammenfassung und exakten Aktenzeichen/Fundstellen fragen · Mindermeinungen oder abweichende Rechtsprechung explizit hervorheben lassen.
Tipps:
- Geben Sie das spezifische Gericht, das Jahr und das Rechtsgebiet an.
- Fragen Sie nach einer Zusammenfassung und den exakten Aktenzeichen bzw. Fundstellen der Urteile – so bleibt jedes Ergebnis nachprüfbar.
- Bitten Sie darum, eventuelle Mindermeinungen oder abweichende Rechtsprechung hervorzuheben, statt sich mit der ersten gefundenen Meinung zufriedenzugeben.
Analysieren mit KI
Ziel: Verträge, Urteile und komplexe Dokumente schnell verstehen, statt jede Klausel einzeln zu prüfen.
Beispiel: "Analysiere diesen Kaufvertrag und identifiziere: Risikoklauseln für den Käufer, die Hauptpflichten der Parteien sowie eventuelle Regelungslücken oder Unklarheiten. Zitiere die relevanten Klauseln."
Tipps: Dokumenttext direkt einfügen, statt ihn zu beschreiben · strukturierte Ausgabe verlangen (Tabelle, Liste, Abschnitte) · relevante Textpassagen zitieren lassen, damit jede Aussage im Original nachvollziehbar bleibt.
Verfassen mit KI
Ziel: Entwürfe für Schriftsätze, Briefe und Dokumente schneller erstellen.
Beispiel: "Erstelle ein Mahnschreiben wegen Zahlungsverzugs (§ 286 BGB). Schuldner: Mario Rossi. Offener Betrag: 15.000 Euro. Zahlungsfrist: 15 Tage. Tonfall: formell und professionell."
Tipps: alle Daten direkt im Prompt angeben (Namen, Beträge, Fristen) · gewünschten Tonfall und Stil spezifizieren · jeden Entwurf Korrektur lesen: Es ist am Ende Ihre Unterschrift, die darunter steht.
Ethische und rechtliche Grenzen beim Einsatz von KI im Recht
Prompting bedeutet zwangsläufig, Fallinformationen in ein System einzugeben. Für den Rechtsbereich gelten dabei besondere Sorgfaltspflichten:
- Verschwiegenheitspflicht: Mandatsdaten unterliegen § 203 StGB und der BRAO. Ein generisches KI-Tool, das Eingaben zum Training verwendet oder Dritten zugänglich macht, verletzt diese Pflicht potenziell – unabhängig davon, wie gut der Prompt formuliert ist.
- Verantwortung bleibt beim Anwalt: Die KI liefert einen Vorschlag, keine Entscheidung. Fachliche und berufsrechtliche Verantwortung für jedes Ergebnis liegt weiterhin bei Ihnen.
- Transparenz und Nachprüfbarkeit: Wo KI-Ergebnisse in Mandate einfließen, sollte jede Aussage auf eine nachprüfbare Quelle zurückführbar sein – ein weiterer Grund, warum Regel 5 nicht verhandelbar ist.
Diese Grenzen sind kein Argument gegen den Einsatz von KI, sondern ein Argument für die richtige Wahl des Systems – dazu im nächsten Abschnitt mehr.
3 Voraussetzungen, damit Prompting in der Kanzlei auch wirklich funktioniert
Die fünf Regeln sind die Grundlage. Doch damit Prompting im Kanzleialltag nicht nur beim Ausprobieren im Webinar bleibt, sondern zur echten Routine wird, braucht es drei Dinge.
1. Die richtige KI. Ein generisches Modell mag flüssig antworten, ist aber selten zuverlässig genug für den Rechtsbereich und schützt Vertraulichkeit nicht in dem Maß, das Ihr Berufsrecht verlangt.
2. Vertrauen in Sicherheit und Vertraulichkeit. Dazu gleich mehr.
3. Prompting zur Gewohnheit machen. Wie jede Fähigkeit wird auch Prompting mit Übung besser. Die ersten Versuche werden selten perfekt sein – entscheidend ist, die fünf Regeln so lange bewusst anzuwenden, bis sie zur Routine werden.
Vom Prompt zum Workflow: einmal briefen, durchgängig arbeiten
Ein Prompt entfaltet seine Wirkung erst richtig, wenn er nicht in einem isolierten Chatfenster endet. Flow Litigate übernimmt für Streitfälle die Aufbereitung der Aktenstücke bis zur Argumentationsanalyse und liefert in rund 5 Minuten eine nachprüfbare Arbeitsgrundlage. Rechtsanwalt Andreas Maljarov: "Flow Litigate hat mir die Arbeit erleichtert, da ich nicht mehr jedes Dokument manuell überprüfen muss, und ich fand die Zusammenfassung der Fakten bereits sehr gut." Für die Vertragspraxis übernimmt Flow Counsel das Gegenstück: Entwürfe auf Basis eigener Präzedenzfälle und eines juristischen Klausiers, inklusive Risikoanalyse jeder Klausel.

Warum Vertrauen die Grundvoraussetzung ist
Doctrine ist eine spezialisierte Rechts-KI, entwickelt von und für Rechtsexperten, ausschließlich trainiert auf deutschen und europäischen Rechtsdaten – inklusive der Integration der Inhalte von dejure.org.
Drei Punkte sind uns dabei besonders wichtig:
Umfassend: Doctrine begleitet Sie bei jedem Schritt Ihrer juristischen Arbeit – von der Recherche über die Analyse bis zum Drafting –, statt Sie zwischen isolierten Tools hin- und herspringen zu lassen.
Spezialisiert: Wir haben eine globale Vision, sind aber konsequent an das lokale Recht angepasst. Sofort einsatzbereit, intuitiv bedienbar, ohne langes Onboarding.
Abgesichert: ISO-27001-Zertifizierung, Datenhosting ausschließlich in der EU gemäß DSGVO, volle Konformität mit BRAO und § 203 StGB. Konkret:
- Ihre Daten werden nicht verwendet, um KI-Modelle zu trainieren.
- Ihre Daten sind nicht für andere Kunden oder Unternehmen verfügbar.
- Ihre Daten verlassen nicht den EU/EWR-Raum.
- Ihre Daten werden nicht zur Verbesserung von Produkten Dritter verwendet.
Über 28.000 Anwält:innen und Juristen in fünf europäischen Ländern arbeiten bereits täglich mit Doctrine, betreut von 270 auf Rechts-KI spezialisierten Mitarbeitenden.
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Häufige Fragen zum Prompting mit Legal AI
Muss ich Prompting erst lernen? Nein. Die fünf goldenen Regeln lassen sich in wenigen Minuten verinnerlichen.
Reicht ein einziger Prompt? Selten – Iteration gehört zum Prozess.
Wie stelle ich sicher, dass Ergebnisse belastbar sind? Gezielt nach Fundstellen, Aktenzeichen und Zitaten fragen – und jedes Ergebnis vor Verwendung prüfen.
Darf ich Mandatsdaten in einen Prompt eingeben? Nur bei Systemen, die BRAO- und § 203-StGB-konform sind, DSGVO-konform in der EU hosten und Ihre Daten nicht zum Training verwenden – bei generischen Tools wie ChatGPT ist das in der Regel nicht gewährleistet.
Was, wenn ich generische KI-Tools bereits kenne? Die fünf Regeln lassen sich übertragen. Der Unterschied liegt im Trainingsdatensatz und den Sicherheitsgarantien des Systems.
Fazit: Prompting ist die neue Kernkompetenz
2026 ist das Jahr, in dem der Umgang mit Rechts-KI von der Ausnahme zur Selbstverständlichkeit wird. Der Unterschied zwischen einer enttäuschenden und einer überzeugenden Antwort liegt selten am System – fast immer am Prompt. Rolle, Kontext, Aufgabe, Format, und die fünf goldenen Regeln: Wer sich das einmal bewusst gemacht hat, wendet es schnell intuitiv an.
Jetzt selbst ausprobieren
Der beste Weg, Prompting zu lernen, ist Prompting.
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